Die Untersuchung des Liquor cerebrospinalis ist wegweisend bei der Diagnostik akut- und chronischentzündlicher Prozesse des Zentralen Nervensystems (ZNS). Akute ZNS-Infektionen äußern sich in Form einer Meningitis (Hirnhautentzündung), Meningoenzephalitis (Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute) oder Enzephalitis (Entzündung des Gehirns). Ursachen für diese Erkrankungen können bakterielle Erreger (z.B. Borrelien, Treponema pallidum), Viren (z.B. HSV, VZV, Masern, FSME, EBV) oder Parasiten (z.B. Toxoplasma gondii) sein. Die Untersuchung des Liquors spielt ebenfalls eine herausragende Rolle bei der Differenzialdiagnostik nicht-infektiöser Erkrankungen, wie der Multiplen Sklerose (MS). Der Nachweis einer intrathekalen Synthese von Antikörpern gegen Masern-Viren, Röteln-Viren und/oder Varizella-Zoster-Viren (MRZ-Reaktion) gilt hierbei als spezifischer Hinweis für eine MS.
Für den Nachweis einer Infektion des ZNS ist es notwendig, zwischen intrathekal produzierten Antikörpern und aus dem Blut in den Liquor gelangten Antikörpern zu unterscheiden. Dafür werden sowohl im Liquor als auch im Serum des Patienten die Konzentrationen der erregerspezifischen Antikörper sowie der entsprechenden Immunglobulinklassen (Gesamt-IgG, -IgM) und des Albumins bestimmt. Liegt eine Infektion des zentralen Nervensystems vor, kommt es zur Anreicherung erregerspezifischer Antikörper im Liquor. Ein Maß für die intrathekale erregerspezifische Antikörperproduktion ist der relative Liquor/Serum-Quotient LSQrel. (Synonym: Antikörperspezifitätsindex). Dieser errechnet sich als Anteil erregerspezifischer Antikörper am Gesamt-IgG des Liquors im Verhältnis zum Anteil erregerspezifischer Antikörper am Gesamt-IgG des Serums. Ein LSQrel. >1,5 ist ein Hinweis für eine intrathekale Synthese erregerspezifischer Antikörper.
Zusätzlich zur Bestimmung spezifischer Antikörper ist auch die Untersuchung des Chemokins CXCL13 im Liquor für den Nachweis einer Neuroborreliose hilfreich. Bei Patienten mit akuter Neuroborreliose werden häufig schon im frühen Stadium der Erkrankung hohe Konzentrationen an CXCL13 im Liquor beobachtet – oftmals sogar, bevor Antikörper gegen Borrelien messbar sind. Durch eine CXCL13-Bestimmung kann die diagnostische Lücke zwischen Infektion und positivem Antikörpertest geschlossen und eine Neuroborreliose früher erkannt werden. Darüber hinaus ermöglicht CXCL13 als Aktivitätsmarker die Unterscheidung zwischen akuter und zurückliegender Neuroborreliose. Auch als Verlaufsmarker nach Therapie ist CXCL13 geeignet: Seine Konzentration im Liquor sinkt unter erfolgreicher Behandlung schnell ab. Allerdings können erhöhte CXCL13-Werte auch bei anderen Erkrankungen auftreten, vor allem bei ZNS-Lymphomen, HIV-Infektionen oder Neuro-Lues.
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